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Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie gehört zu den sogenannten ausleitenden Heilverfahren. Das heißt es werden angesammelte „Schlacken“, Schadstoffe oder Toxine aus dem Körper entfernt. Hierbei steht die Beseitigung von lokalen Fülle-, Stauungs- und Schmerzzuständen im Vordergrund. Neben einer generellen Entgiftung des gesamten Körpers, können die Blutegel sehr wirksam an Problemzonen arbeiten. Gerade wenn eben eine Blut- oder Lymphstauung vorliegt, die mit einer konventionellen Ausleitung nicht optimal beseitigt werden kann, beispielsweise bei Krampfadern oder Gelenksentzündungen. Dann wird genau an den betroffenen Stellen der Blutegel an die Hautoberfläche angesetzt. Dieser saugt dann nicht nur das “verschlackte“ Blut mit all seinen Schadstoffen ab sondern zusätzlich werden durch die Blutegelwirkstoffe auch spezielle antiphlogistische (entzündungshemmende) und analgetische (schmerzlindernde) Substanzen freigesetzt.
Ich verwende in meiner Praxis ausschließlich Blutegel aus deutscher Zucht, die nach dem Arzneimittelgestzt gezüchtet und gehalten werden. Vor der Anwendung muss der Egel 32 Wochen "fasten", so dass er einerseits "Appetit" hat und andrerseits gewährleistet ist, dass er völlig sauber und frei von Schadstoffen ist. So wird die Übertragung von Krankheit vermieden und das Infektionsrisiko ist so gut wie ausgeschlossen - gerade wenn man die Bissstellen nach dem Saugen noch ausreichend nachbluten lässt. Die Egel werden niemals mehrfach verwendet!
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Bei welchen Erkrankungen ist eine Blutegelbehandlung sinnvoll?
Erkrankungen des Bewegungsapparats:
Akute und chronische Gelenkschmerzen schmerzhafte Gelenkarthrosen, v.a. Kniegelenksarthrose, Daumensattelgelenksarthrose und Sprunggelenksarthrose Rheumatische Erkrankungen Akuter Gichtanfall Sehnen- und Sehenscheidenentzündungen (Tennisellbogen, Golfarm) Wirbelsäulen- und Kreuzbeinsyndrome Akute und chronische Osteomyelitis
Venöse Erkrankungen:
Krampfadern, Besenreiser Akute Thrombophlebitis Unterschenkelgeschwüre Postthrombotisches Syndrom (mit begleitenden Stauungsschmerzen)
Aber auch bei:
Herpes Zoster (Gürtelrose) Akute und chronische Otitis media (Mittelohrentzündung) Tinnitus Durchblutungsstörungen nach Haut- und Gewebstransplantationen Arterieller Hypertonie (unterstützend) Erhöhtem Hämatokrit ("dickes Blut") Hämorrhoiden Analthrombose Lymph- und venösem Rückstau Furunkel, Karbunkel, Abszesse
Wie läuft eine Behandlung ab?
Zunächst vereinbaren wir einen Termin in der Sprechstunde, in der ich Sie untersuche, Sie ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten informiere und dann die nötige Anzahl der Blutegel festlege. In der Regel verwendet man nicht mehr als 8-10 Blutegel, da sonst der Reiz auf den gesamten Körper und auch der Blutverlust zu groß ist.
Die eigentliche Behandlung ist dann etwa eine Woche später, sie dauert meist 1-2 Stunden, gelegentlich aber auch länger, wenn die Egel "faul" sind oder die Wunden sehr lange nachbluten. Planen Sie also bitte genug Zeit ein. Unter Druck wollen die Egel oft nicht beißen und man darf die Tiere auch nicht gewaltsam lösen.
Abhängig von der jeweiligen Indikation ist häufig eine einmalige Sitzung ausreichend, denn die Therapie wirkt ja nicht nur lokal an der applizierten Stelle sondern systemisch im ganzen Körper durch die heilenden Substanzen, die der Blutegel abgibt.
Zu Behandlungsbeginn wird der Blutegel an der vorgegeben Hautstelle angesetzt, saugt sich fest und dringt mit seinen Kalkzähnchen vorsichtig in die Haut ein. Dies ist weitgehend schmerzfrei, da der Blutegel hierbei wahrscheinlich schmerzlindernde Stoffe abgibt. Sie spüren dann nur ein leichtes Ziehen. Im weiteren Verlauf (15 bis 90 Minuten) leitet der Blutegel die Wirkstoffe beim Saugen in das Gewebe ein und fällt anschließend von alleine ab. Keinesfalls darf der Egel gewaltsam entfernt werden!
Die kleine Bisswunde wird durch die Wirkstoffe (z.B. Hirudin) 8 bis 12 Stunden offen gehalten und blutet nach. In dieser Zeit muss die Wunde gut mit saugfähigem Verbandsmaterial abgedeckt sein.
Am nächsten Tag erfolgt der erste Verbandswechsel bei mir in der Praxis - dann reichen einfache sterile Pflaster auf den Bißstellen aus, die ich Ihnen mitgebe.
Der heilende Effekt kann nach unterschiedlichen Zeitabständen, oft sogar unmittelbar nach der Behandlung auftreten und hält häufig monatelang an.
Wann darf eine Blutegeltherapie nicht durchgeführt werden (Kontraindikationen)?
• Hämorrhagische Diathesen bzw. Hämophilie ("Bluterkrankheit"), sowie Blutgerinnungsstörungen (Marcumar ® u.ä.) • Hauterkrankungen an der Applikationsstelle • Akute Magen- oder Darmgeschwüre • Deutliche Blutarmut • Erheblicher Immunschwäche (AIDS, Chemotherapie, etc.) • Schwere chronische Erkrankungen (z.B. Krebs) • Fortgeschrittene periphere Gefäßerkrankungen • Ausgeprägten Wundheilungsstörungen • Bekannte Allergien gegen Blutegel-Inhaltsstoffe (Hirudin, Histamin, etc.) • Vorsicht bei Neigung zu überschießender Narbenbildung (Keloidbildung) keine Anwendung an gut sichtbaren Körperstellen • Aspirin® sollte 5-10 Tage vor einer Behandlung nach Rücksprache nicht eingenommen werden
Geschichte der Blutegeltherapie
Blutegel (Hirudo medicinalis officinalis) werden schon seit Jahrtausenden zu medizinischen Zwecken verwendet. Heute gewinnt die Methode nicht zuletzt durch neuere Forschungsarbeiten in der Unfallchirurgie (z.B. Replantationschirurgie), venösen Erkrankungen (z.B. oberflächlichen Venenentzündungen) und bei Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Kniegelenksarthrose) wieder zunehmend an Bedeutung. Die bei uns verwendeten Blutegel werden in Zuchtanstalten kultiviert und dürfen aus hygienischen Gründen nur einmal verwendet werden.
Einige Bilder sind mir freundlicherweise von der Biebertaler Blutegelzucht zur Verfügung gestellt worden. Auf deren Homepage finden Sie auch weitere Informationen: www.blutegel.de
Kosten
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